Freitag, 16. Dezember 2011

"Are we there yet"


Eine Gescichte die ich mal für den Deutschunterricht schrieb :) 


"Are we there yet"

Mit dem Bleistift beende ich das Schattieren des Körpers. Der Hintergrund und alle anderen Personen sind gemalt. Außer eine.  Wie mal ich sie ? Wie kann ich sie am besten darstellen? Mir schießen tausend Fragen durch den Kopf. Ich geh zu meiner Musikanlage und machte ein anderes Lied an.  „Skinny Love „ suche ich heraus. “Musik ist die beste Art, sich inspirieren zu lassen” , sagte er immer. Mir geht ein Schauer über den Rücken, als ich den Bleistift in die Hand nehme und zurück zur Leinwand gehe. Ich habe einen kompletten Blackout, ich weiß einfach nicht wie ich es darstellen soll. Wie soll man so etwas darstellen, was man anfängt zu vergessen? Langsam bin ich immer mehr verwirrt und Wut steigt immer mehr in mir auf. Ich schmeiße den Bleistift gegen die Wand und setze mich auf meine Fensterbank. Ich sehe aus dem Fenster und beobachte Leute, die die Straße entlanglaufen. Manche sehen fröhlich aus , die anderen traurig. „ and I told you to be patient, and I told you to be fine, I told you to be kind…” kommt aus meiner Anlage und ich denke daran ,wie ich immer mit ihm als kleines Kind die Straße langgelaufen bin. Tränen kommen mir aus den Augen  und fließen  mir über die Wangen.  Mit der Zeit verfliegen die Erinnerungen. Ich kann mich einfach nicht mehr erinnern , nicht einmal an seinen Geruch oder Augenfarbe. Aber an einen Tag kann ich mich noch genau erinnern. Ich schalte ein anderes Lied an. Musik ist ein guter Schlüssel zu Erinnerung. Mit dem Lied „Are we there yet“ kommt die Erinnerungen an Tag wieder hoch, der alles veränderte.
Ich erinnere mich noch ganz genau wie am Abend meine Mutter die Tür aufriss und mich mit verheulten Augen anschaute Ich wusste was das bedeuten würde. Sie sagte mir, dass es einen Unfall gab und das wir sofort nach Frankreich fahren müssten. Sie erzählte mir, dass er im Krankenhaus liegt , weil es einen Unfall gab . Es sah sehr übel.  Am nächsten Morgen saßen wir im Auto Richtung Frankreich. Die Fahrt dauerte  10 Stunden, doch es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Wir mussten zu ihm.  Meine Mutter erzählte mir das er einen Autounfall hatte und er seit dem im Koma liege.Mit dem Gedanken daran wurde mir übel. Aber ich  musste stark sein. Es kam einfach nur so plötzlich. Jede halbe stunde rief meine Mutter im Krankenhaus an und jedes Mal sagten sie das gleich: „ Keine Veränderungen. Wir werden sie anrufen , wenn sich etwas geändert wir versprechen es ihnen“. Irgendwann setzte ich mir meine Kopfhörer auf, drehte die Musik auf und versuchte abzuschalten.. Manche Lieder versetzen mir aber auch einfach einen Stich in Magen. Wir fuhren direkt ins Krankenhaus und rannten zu ihm. Als wir in den Raum kamen, stand da auch der Rest der Familie. Viel musste man nicht sagen, der Anblick sagte alles. Die meisten mit von den Tränen geschwollenen Augen, andere Gesichter einfach nur bleich. Alle saßen da und unterhielten sich. Ab und zu kam eine Krankenschwester rein um nachzusehen. Der Stand blieb gleich. Prellungen am ganzen Körper. Bewusstsein verloren und all so was. Mein kleiner Cousin kam zu mir,  sah mir mit seinen leuchtend blauen Augen ins Gesicht und fragte: „ Wird er sterben?“  Ich wusste es nicht, aber die Chancen waren gering. Sehr gering. Ich antwortete das ich es nicht weiß und das es davon abhängt, ob er stark genug ist.  Am Abend gingen viele nach Hause, um sich auszuruhen. Ein paar von uns blieben. Als sich alle einen Kaffee holen gingen, blieb ich alleine im Raum.  Ich trat an ihn heran und schaute ihn an. Ich nahm meinen iPod und machte Musik an. „Shooting the Moon" spielte ich ab. Ich erinnere mich aber noch genau daran was ich sagte:“ Du hast mir schon so oft geholfen. Bitte lass mich dir helfen. Du sagtest mir mal Musik ist manchmal einer Schlüssel. Hör dieses Lied und bleib stark. Bitte.“  Ich kniete vor ihm und weinte. Das Lied ging zu Ende und die andern kamen herein. Mein Vater nahm mich in Arm und sagte, dass alles gut gingen würde. Und so saßen wir da alle die ganze Nacht.  Am Morgen weckte mich ein lautes Piepen. Es war unerträglich. Es war das Piepen der Beatmungsmaschine von ihm  . Es waren eigenartige rote Striche auf dem Bildschirm zu sehen.  Eine Krankenschwester kam schnell herein tastete ihn ab, sah nach seinen Puls, machte ihm die Augen auf und sah etwas nach. Sie blickte den Bildschirm an und sagte:“ Er ist tot. Es tut mir Leid wir haben alles getan , was wir konnten.  Wir werden die Beatmungsmaschine jetzt ausschalten müssen. Er war nicht stark genug. Das ist das, woran ich mich an meisten erinnere.
Ich gehe zu meiner Leinwand und denke an die Augenfarbe meines Opa: Grün 



-Music-
Lieder: Are we there yet_ Ingrid Michaelson
          Shooting the Moon_ Mona
          Skinny Love _ Birdy


1 Kommentar:

  1. die geschichte ist einfach unbeschreiblich ! das süße bildchen too ♥

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